Abschied von Amy

Ich bin Zoë.
Und ich erzähle euch von einem Tag, der ganz leise kam.
So ein Tag war das.

Da ist Amy gegangen.
Ganz sanft, ganz ruhig, fast wie ein letzter Atemzug im Schlaf.
Amy, die kleine Schwester von Bluna. Sie kamen am selben Tag zu uns
und nun sind sie wieder zusammen weitergezogen.

Amy war besonders. Das wussten wir alle im Rudel.
Man musste es nicht erklären. Man hat es gespürt.
Sie war der Seelenhund. Still, fein, voller Gefühl.

Wenn es Fressen gab, tanzte sie – einfach so.
Und wenn sie die Leine sah, freute sich ihr ganzes Wesen.
Wir haben dann oft inne gehalten, weil selbst wir Hunde merkten:
Das hier ist etwas Schönes.
Dann lächelte sogar die Luft um sie herum.

Amy hörte die Welt nicht so wie wir.
Aber sie sah sie. Sie schaute Bluna an und wusste, wo es langging.
Bluna war ihr Kompass.
Und sie schaute zu meinem Menschen und verstand die Sprache der Hände –
jede Bewegung, jedes Zeichen.
So war Amy.
Sie hörte mit dem Herzen.
Und wir im Rudel achteten auf sie, ohne Worte, ganz selbstverständlich.

Als Bluna ging, wurde es still in Amy.
Das haben wir alle gemerkt. Sie musste neu lernen, neu schauen, neu fühlen.
Manchmal blieb sie stehen, wo sie früher einfach weitergegangen wäre.

Dann suchte sie Nähe. Oft lehnte sie sich an Amara, unsere Jüngste.
Ganz vorsichtig, ganz vertraut, als würde si
e sagen:
Bleib kurz bei mir. Und Amara blieb.
So machen wir das hier.

Wir alle haben es gespürt.
Das Rudel rückte näher zusammen.
Keiner wurde gedrängt, keiner blieb außen vor.
Keiner geht allein.

Jetzt ist Amy wieder bei Bluna.
Ich sehe sie vor mir, wie sie zusammen laufen.
Frei, leicht, ohne Schmerz.
Und ich weiß – wir wissen es alle:
Sie sind nicht fort.
Sie sind nur vorausgegangen.

Und wir hier tragen ihre Geschichte weiter. Im Rudel.Gemeinsam.